Menschengröße. Beide Figuren zeigen lebensvolle, der Natur nachgebildete Gesichter; sie sind mit Stirnbänder geschmückt, unter denen die Haarflechten auf den Rücken herabwallen. Bekleidet sind sie mit langen, gürtellosen Kleidern, die mit Aermeln und auf der sehr markierten Brust mit AgraffenSchmuckschließe, sie dient dem Zusammenhalten zweier Kleidungsstücke geschmückt sind. Die Figur zur Linken des Kaisers hält einen großen, dreieckigen Schild vor sich, auf dem früher der Reichsadler aufgemalt war. Die andere trug in der linken Hand eine Fahne, von der aber nur der Stumpf innerhalb der Hand übrig ist. Die alten Magdeburger hielten beide Figuren für die Editha und Adelheid, die beiden Gemahlinnen Ottos, allein wahrscheinlich ist es doch, das sie nach der Gewohnheit des Mittelalters nur symbolische Figuren darstellen sollen, etwa die Tapferkeit und Weisheit. Sollten es Ottos Gemahlinnen sein, würden sie gewiß mit königlichen Schmuck geziert sein.
befinden sich die 3 1/2 Fuß hohen Figuren Ottos und Edithas auf einem Doppelthron sitzend. Sie haben sehr ernste Gesichtszüge, lang herabfallendes Haar und hochgezogene Augenbraunen und weisen auch in dem sonstigen Mißverhältnis der Schenkel auf eine alte Zeit zurück. Die Mäntel beider Figuren werden auf der Brust durch Schlösser zusammengehalten; der des Kaisers fällt auseinander, während Editha ganz von dem ihrigen eingehüllt ist. Letztere hat zum Zeichen ihrer Frömmigkeit ein aufgeschlagenes Evangelienbuch in der Hand, während Otto in seiner Rechten eine Scheibe trägt, worin sich 19 Kugeln befinden, welche die Anzahl der Tonnen Goldes bezeichnen sollen, die Otto zur Bau der ersten Domkirche verwendet hatte. Das Szepter, welches er in der linken Hand hielt, ist abgebrochen und nicht wieder erneuert worden. So war die Figur auf den Abbildungen aus dem 17. Jahrhundert, die freilich schlecht genug sind, noch zu sehen. Als das Dach noch über der Kapelle war, hing im Innern desselben ein schwebender Engel an einer eisernen Stange herab. Dieser Engel fiel in der Nacht desselben Tages herab, an welchem in Osnabrück der Friede unterzeichnet wurde, durch den die Hoffnungen der Magdeburger auf Selbstständigkeit und Reichsfreiheit vernichtet wurden. Man erzählt, daß man während der Nacht einen gewaltigen Knall in der Domkirche gehört habe, sodaß die Leute, die am Kreuzgang wohnten, davon aufgeweckt worden seien. Als man nun am Morgen nachsah, fand es sich, daß der an einer ziemlich dicken Eisenstange hängende Engel heruntergefallen und die Stange selbst zerbrochen war. Diesen Vorfall deutete man nachher auf den Unstern der Stadt Magdeburg.