Die Belagerung der Stadt durch kaiserliche Soldaten.

10. Mai 1631

Der dreißigjährige Krieg und die Zerstörung der Stadt Magdeburg

Zeittafel des 30-Jährigen Krieges
Am Vorabend des 30-jährigen Krieges zählt das Heilige Römische Reich Deutscher Nation rund 20 Millionen Einwohner.
    1618   bis 1623   -   Böhmisch - Pfälzischer Krieg  
Johann Tserclaes Graf von Tilly (1559-1632)
Prager Fenstersturz
      23.Mai   -   Mit dem Prager Fenstersturz beginnt der Dreißigjährige Krieg. Dabei werden zwei Gesandte und ein Sekretär von König Ferdinand II. aus dem Fenster der Prager Burg gestürzt, da der König die Religionsfreiheit von Böhmen widerrufen hat. Die kaiserlichen Räte überlebten den Fenstersturz.  
      24.Mai   -   Die Prager Stände übernehmen die Regierung, der protestantische Landtag ernennt den Grafen von Thun zum Heerführer und weist den Jesuitenorden aus Prag aus.  
          -   August Ferdinand II. zieht mit einem 14.000 Soldaten großen Heer nach Böhmen.    
  1619   20.März   -   Kaiser Mathias verstirbt in Wien.      
      06.Juni   -   Das böhmische Heer unter Heinrich von Thurn steht vor Wien      
        31.Juli   -   Die böhmischen Stände verabschieden ihre neue Verfassung. In der wird die Macht des gewählten Königs stark eingeschränkt.      
        19.August   -   Böhmen sagt sich vom Reich los und setzt Ferdinand II. als König ab.      
        26.August   -   In Prag wählen die Böhmischen Stände mit dem protestantischen Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz einen neuen König.    
Magdeburg um 1600
        27.August   -   Ferdinand II. Erzherzog von Österreich, König von Ungarn und Böhmen wird Deutscher Kaiser.      
        08.Oktober   -   Kaiser Ferdinand II. schließt im "Münchner Vertrag" ein Bündnis mit Spanien und Bayern (Liga)      
    1620   6.Juni   -   Ferdinand II. beauftragt Maximilian I. von Bayern mit der Reichsexekution in Böhmen      
        03.Juli   -   Die katholische Liga und die protestantische Union schließen mit dem Ulmer Vertrag einen Nichtangriffspakt.      
        12.Juli   -   Truppen der kaiserlichen Liga schlagen in der Nähe von Wien böhmisch-pfälzische Truppen unter Heinrich Matthias von Thurn      
        9.September   -   Bautzen wird durch Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen belagert      
        08.November   -   Kaiser Ferdinand II. verbündet sich mit dem katholischen Herzog von Bayern und dem protestantischen Kurfürsten von Sachsen, um Böhmen wieder ins Reich einzugliedern. In der Schlacht am Weißen Berg wird Böhmen zurückerobert und König Friedrich von der Pfalz muss nach Den Haag fliehen.      
    1621   29.Januar   -   Kaiser Ferdinand verhängt über Friedrich V. die Reichsacht.      
        24.April   -   Die protestantische Union wird in Heilbronn aufgelöst.      
        21.Juni   -   27 Anführer des böhmischen Heeres werden auf dem Prager Altstadtring hingerichtet.      
            -   Der Böhmische Aufstand bricht nach der Niederlage zusammen. König Friedrich von der Pfalz verliert nicht nur Böhmen, sondern auch sein Fürstentum.      
    1622   Januar   -   Die Einwohner von Halle stürmen mehrere Häuser der Kipper und Wipper, um sich gegen die zunehmenden Verteuerungen der Lebensmittel zur Wehr zu setzen. Der Administrator Christian Wilhelm lässt den Aufstand blutig niederschlagen.      
        Februar   -   In Magdeburg beteiligen sich mehrere hundert Menschen an Aufständen gegen die Kipper und Wipper.      
        06.Mai   -   In der Schlacht bei Wimpfen siegt der katholische Tilly über den protestantischen Markgraf Georg Friedrich von Baden    
Schlacht bei Höchst, 1622, zeitgenössische Darstellung
        20.Juni   -   Die Schlacht bei Höchst endet mit einer Niederlage von Christian von Braunschweig, dem Administrator von Halberstadt, im Kampf gegen Tilly.    
        19.September   -   Tilly erobert Heidelberg    
    1623   23. Februar   -   Kaiser Ferdinand II. überträgt die pfälzische Kurwürde auf Maximilian I. von Bayern.    
        06.August   -   Mit der Schlacht bei Iserlohn endet der Böhmisch-Pfälzische Krieg. Die Truppen der katholischen Liga siegen über das Heer der Protestanten.      
    1625   bis 1629   -   Niedersächsisch-Dänischer Krieg      
            -   König Christian IV. von Dänemark greift auf Seiten der Protestanten in den Krieg ein      
            -   Albrecht von Wallenstein erhält von Kaiser Ferdinand II. den Auftrag ein neues Heer aufzustellen.      
    1626   25.April   -   Wallenstein schlägt bei Dessau das Heer von Graf Ernst II. von Mansfeld und besetzt die Ostseeländer.      
        27. August   -   Der dänische König Christian IV. unterliegt im Niedersächsisch-Dänischen Krieg in Lutter am Barenberge den Truppen gegen das Heer der katholischen Liga unter Tilly.      
    1627       -   Die Kaiserlichen Heerführer Wallenstein und Tilly besetzen Holstein.      
    1628       -   Albrecht von Wallenstein wird von Kaiser Ferdinand II. zum "General der baltischen Staaten und ozeanischen Meere" ernannt. Gleichzeitig überträgt er ihm das Herzogtum Mecklenburg.      
    1629       -   Die Magdeburger Bürgerschaft wehrt sich mit Waffengewalt gegen den Plan eine kaiserliche Garnison aufzunehmen      
        Februar   -   Wallenstein belagert die Stadt. Im September wird die Belagerung durch Vermittlung durch die Hansestädte aufgehoben.      
        06.März   -   Kaiser Ferdinand erlässt das "Restitutionsedikt", mit dem die seit dem "Augsburger Religionsfrieden" von 1555 in protestantischen Besitz übergangenen katholischen Kirchengüter wiederhergestellt werden sollen.      
Belagerung von Magdeburg
      22.Mai   -   Kaiser Ferdinand schließt mit dem König von Dänemark den Lübecker Frieden um ein Bündnis der nordischen Mächte (Schweden und Dänemark) zu verhindern.      
  1630   bis 1635   -   Schwedischer Krieg      
          -   Unter der Führung von Maximilian I. von Bayern erzwingen die Reichsfürsten auf einem Regensburger Kurfürstentag die Entlassung Wallensteins.      
      04.Juli   -   Gustav Adolf von Schweden landet mit einem Heer auf Usedom. Damit beginnt der Schwedische Krieg (bis 1635)      
        August   -   Der Administrator Christian Wilhelm zieht mit einem Magdeburger Heer nach Halle, besetzt die Stadt und vertreibt die kaiserliche Besatzung.    
Tilly
        01.August   -   Der Rat der Stadt Magdeburg beschließt sich unter den Schutz des schwedischen Königs zu stellen.    
    1631       -   Vertrag von Bärwalde    
Gustav Adolf von Schweden (19.Dezember 1594 - 16.November 1631)
      Februar   -   Der Kurfürst Johann Georg von Sachsen lädt zu einer Versammlung aller protestantischen Stände nach Leipzig ein.    
      26.März   -   25.000 Mann zu Fuß und 7.000 Reiter belagern unter Führung von Tilly Magdeburg.    
      29.März bis 01.April   -   Tilly erobert die südlich von Magdeburg gelegenen Schanzen beiderseits der Elbe und vertreibt Falkenberg so aus den Verteidigungsstellungen.      
      13.April   -   Schwedische Truppen erobern und plündern Frankfurt/Oder      
        08.Mai   -   Tilly schickt einen Trompeter in die Stadt um eine friedliche Übergabe der Stadt zu fordern.    
Flugblatt zur "Magdeburger Hochzeit" - "Capitulationes. Was gestalt Herrn General Grafen von Tylli den 20. Mai 1631. Die alte Jungfraw zu Magdeburg verheirat worden / vnd seyndt folgende Heyraths Nottel."
        09.Mai   -   Der Rat der Stadt lässt in den 18 Vierteln der Stadt eine Befragung der Bürger durchführen. Es kommt jedoch zu keiner Einigung wie man handeln soll.    
Johann ’t Serclais de Tilly (1559–1632), Feldmarschall der katholischen Liga
      10.Mai   -   Magdeburg wird von den Truppen Tillys und Pappenheim vollständig zerstört.    
      17. September   -   In der Schlacht bei Breitenfeld bringt Gustav Adolf von Schweden dem Heer von Tilly eine Niederlage bei.      
  1632   13.April   -   Wallenstein wird vom Kaiser als Heerführer zurückbeordert.      
      15.April   -   In der Schlacht bei Rain am Lech werden Tillys Truppen vernichtend geschlagen. Tilly wird schwer verletzt und zieht sich nach Ingolstadt zurück.      
      30.April   -   Tilly erliegt in Ingolstadt seiner schweren Verletzung.      
        16. November   -   Unter der Führung von Wallenstein kommt es zur Schlacht bei Lützen gegen die Heere von Gustav Adolf von Schweden. Zwar kann Schweden die Truppen Wallensteins besiegen, aber auch der Schwedische König stirbt während der Kämpfe.    
Albrecht Wenzel Eusebius von Wallenstein (24.September 1583 - 25.Februar 1634)
    1634   25.Februar   -   Wallenstein führt hinter dem Rücken des Kaisers Verhandlungen mit den Protestantischen Gegner sowie den Schweden. Der Kaiser bezichtigt ihn des Hochverrats und belegt ihn mit der Reichsacht. Auf Schloss Eger wird Wallenstein durch Kaiserliche Offiziere ermordet.    
        06. September   -   Nach der Schlacht bei Nördlingen, bei der die Schweden und die protestantischen Deutschen eine Niederlage hinnehmen müssen, kommt es zum Frieden von Prag zwischen dem Kaiser und den Reichsständen.      
    1635   bis 1648   -   Schwedisch - Französischer Krieg      
Magdeburg um 1640
          -   Mit dem Schwedisch-Französischen Krieg beginnt die letzte Phase des Dreißigjährigen Krieges.      
            -   Schwedische Truppen plündern die Mark Brandenburg.      
        30.Mai   -   Zwischen Kaiser Ferdinand II. und der kaiserlichen Liga sowie dem Kurfürstentum Sachsen und den protestantischen Reichsständen wird der Prager Frieden geschlossen, der den Krieg zwischen den Reichsständen und dem Kaiser beendet.      
    1643       -   Die Kriegsführenden Länder Deutschland, Frankreich und Schweden beginnen in Münster und Osnabrück Verhandlungen über einen möglichen Frieden. Die Kämpfe gehen aber weiter.      
    1648   24. Oktober   -   Mit der Unterzeichnung des Westfälischen Friedens endet der Dreißigjährige Krieg.      
Weite Teile Deutschlands sind verwüstet, die Bevölkerung ist von 20 Millionen im Jahr 1618 auf 10 Millionen gesunken. Armut und Elend herrscht. Zeitgleich bricht noch eine Pestepidemie aus, die wiederum viele Opfer fordert.
Die Zerstörung Magdeburgs 1631

Nach dem Magdeburg im Jahre 1524 als erste große Stadt Deutschlands die Reformation eingeführt hatte, kam es immer wieder zu Ächtungen durch den Kaiser (1547) oder zu Belagerungen (1550 durch Moritz von Sachsen). Doch die Stadt Landsknecht und Troßbube, Einblattholzschnitt um 1521und seine Bürger konnte nie unterworfen werden. Moritz von Sachsen zog unverrichteter Dinge mit seinen Truppen ab und die Reichsacht wurde 1562 durch Kaiser Ferdinand I. wieder aufgehoben.

Doch als 1618 der dreißigjährige Krieg seinen Anfang nimmt, rückt auch das vorläufige Ende Magdeburgs immer näher. Wallensteins Truppen stoßen nach Magdeburg vor und belagern ab März 1629 für ein halbes Jahr die Stadt. 1630 kommt es zu einem Sturz des Rates der Stadt, da er keine Diplomatische Lösung erzielen konnte. Der neugewählte Rat schließt im August des selben Jahres ein Bündnis mit dem schwedischen König. Dadurch stellt sich die Stadt endgültig gegen den Kaiser. 1630 entsendet der Schwedenkönig den Oberst Dietrich von Falkenberg als Stadtkommandanten nach Magdeburg. Dieser soll die Festung zur Verteidigung bereit machen und damit den Gegner auf lange Zeit binden.

Im September 1630 rücken kaiserliche Truppen vor Magdeburg und beginnen mit der Belagerung der Stadt. Im März 1631 kommt der neue Oberbefehlshaber der Kaiserlichen Heere, General Tilly, mit rund 40.000 Söldner nach Magdeburg um die Belagerung der Stadt zu intensivieren. Diesmal ist das Ziel abgesteckt. Die Stadt muss erobert Magdeburg brennt und immer noch drängen Tillys Truppen in die Stadt.werden, da sie einen strategisch wichtigen Übergang über die Elbe darstellt. Umliegende Gemeinden werden eingenommen und müssen zur Versorgung der Truppen beitragen. Mitte April begannen die Angriffe gegen die Stadt. Der Reitergeneral Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim (29.Mai 1594 - 17. November 1632) hatte schon vorher die Außenwerke auf der Ostseite Magdeburgs erobert und sie als Ausgangsbasis des Hauptsturmes herrichten lassen. Ende April lässt Oberst von Falkenstein in Einvernehmen mit den Ratsherren die Neustadt und Sudenburg räumen und niederbrennen um Angriffe von dieser Seite auf die Stadt zu verhindern. Die Einwohner der Vorstädte werden in der Stadt untergebracht. Vom 07.bis 09. Mai lässt Tilly die Stadt mit großen Geschützen beschießen um sie zur Übergabe zu bewegen.

Anfang Mai wird die Stadt erstmals schriftlich zur Übergabe aufgefordert, es kommt zu Diskussionen mit den Vertretern des schwedischen Königs. Die Bürger wollten die Stadt Die brennende Stadt am 16.Mai 1631 übergeben, Oberst von Falkenberg jedoch ist überzeugt der Belagerung zu widerstehen zu können. Am 08.Mai kommt es zur erneuerten Aufforderung die Stadt zu Übergeben. Die Ratsherren wollen bis zum 10.Mai darüber entscheiden. Doch zu einer Entscheidung soll es nicht mehr kommen

Pappenheim beginnt in den frühen Morgenstunden gegen 07:00 Uhr des 10.Mai 1631 mit dem Sturm auf Magdeburg und ist schon bald in der Nord-Ost Ecke am neuen Werk in die Stadt eingebrochen. Zwar trifft er auf erbitterten Widerstand der Bürger, aber immer mehr feindliche Soldaten drängen nach. Vor allem Kroaten und Wallonen stehen im Heer Pappenheims und sie Plünderung, Brandschatzung und Ermordung der Magdeburger Bürger am 10.Mai 1631, Eduard Steinbrück, 1852-1866 erhoffen sich reiche Beute, da ihn der Oberbefehlshaber für drei Tage freie Hand gegeben hatte, wenn die Einnahme der Stadt gelingen sollte. Durch diese Aussicht angestachelt wird alles was sich ihnen in den Weg stellt niedergemetzelt und sofort mit dem Plündern und Brandschatzen begonnen.

Einblattdruck zur Zerstörung Magdeburgs Ein Kurtz: Jedoch nachdenklich Gespräch / eines Fuchses vnd KatzenUnterdessen ist im Rat bekannt geworden, dass der Feind in der Stadt steht. Oberst v. Falkenberg stürzt sich mit dem Regiment von Oberst Trost in den Kampf und versucht die Feinde zurückzudrängen. Doch bei diesem Kampf verlor auch er sein Leben. Und das Morden geht weiter. Tausende von Menschen auf beiden Seiten haben schon mit ihren Leben bezahlt. Dann zehn Uhr morgens. Die Stadt ist eingenommen. Die Plünderungen gehen weiter. Menschen die sich zur Wehr setzen werden abgeschlachtet. Männer, Frauen, Kinder werden ermordet. Es gibt nur wenige die sich retten können.

Gegen Mittag flammen überall Brände auf. Durch heftige Winde immer weiter angefacht versinkt die Stadt in Schutt und Asche. 12 Stunden später sind rund 1.800 Wohnhäuser vernichtet. Nur der Dom, das Kloster Unser Lieben Frauen und einige Häuser an der Elbe überstehen den 10.Mai. Von ehemals 35.000 Einwohner kamen nach Schätzungen 20.000 ums Leben. Die meisten der Überlebenden flohen in die umliegenden Dörfer. Magdeburg, noch am 09.Mai 1631 eine der größten und reichsten Städte Zeitgenössiche Darstellung der Eroberung von Magdeburg am 10.Mai 1631Deutschlands hört auf zu existieren.

Auch an den nächsten Tagen geht das Plündern weiter. Nachdem das Feuer nachgelassen hat, strömen die kaiserlichen Truppen erneut in die Stadt und durchsuchten die zerstörten Häuser nach lohnender Beute. Und sie fanden in der Kellern große Vorräte an Nahrungsmittel, Wein und Bier. Aus Angst vor der Zerstörung ihrer Häuser hatte so mancher Einwohner seine Der Kniefall Reinhard Bakes vor Tilly am 12.Mai 1631Habseligkeiten im Keller versteckt wo sie nun in die Hände der Plünderer fiel.

Am 12. Mai lässt Tilly den bis dahin von ihm in Schutz genommenen Dom öffnen. Dorthin haben sich ca. 4.000 Menschen vor dem Morden geflüchtet. Unter ihnen ist der Domprediger Reinhardt Bake. Dieser fällt vor Tilly auf die Knie und bittet um das Leben der Menschen. Tilly gewährt ihm die Bitte und lässt Nahrung unter den Geretteten verteilen.

Erst am 14. Mai lässt Tilly das Plündern einstellen und befiehlt seinen Truppen die Stadt zu verlassen. Den verbliebenen Einwohnern wurde das Leben und Sicherheit versprochen.

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