Magdeburg vor der ersten Erwähnung

Spuren

Die Geschichte von Magdeburg beginnt nicht erst mit der ersten urkundlichen Erwähnung in Diedenhofer Kapitular Karl des Großen. Vielmehr muss davon ausgegangen werden, dass sich schon vorher ein befestigter Ort an dieser Stelle befand.

Der Sage nach reichen die Wurzeln der Stadt bis in die Römerzeit zurück und soll von Julius Cäsar selbst gegründet wurden sein. Dieser soll eine Burg und einen Tempel gebaut haben und diesen Tempel widmete er der Göttin Parthenis. Demnach soll der Name der Stadt Parthenopolis gelautet haben. Aus dem griechischen übersetzt bedeutet dieser Name Jungfrau- oder Mägdestadt und soll seinen Ursprung von den Priesterinnen des Tempels haben.

Eine andere Sage berichtet davon, das im Jahre 9 v. u. Z. Drusus mit seinen Legionen bis in die Gegend vom heutigen Magdeburg vorgedrungen sein soll und erst eine Weise Frau ihn zur Umkehr bewegen konnte.

Weiterhin sollen die römischen Feldherren Domitius Ahenobarbus (2 v. u. Z.) und Tiberius (5 u. Z.) die Elbe bei Magdeburg gesehen haben. Der Nachweis dafür und/oder für eine römische Besiedlung fehlt allerdings.

Siedlungsgeschichte

Funde im mitteldeutschen Raum lassen darauf schließen, dass das heutige Gebiet von Sachsen-Anhalt schon früh von den Menschen besiedelt wurde. Bestes Beispiel ist die Himmelsscheibe von Nebra, die beweist, das auch die Menschen vor 3.600 Jahren nicht als tumbe, keulenschwingende Urmenschen durch die Landschaft latschten, sondern schon sehr genau den Himmel und seine Gestirne beobachteten.

Dass die Ursprünge aber noch viel länger zurückliegen müssen, dürfte jedem klar sein. Die ältesten Beweise der Besiedlung des heutigen Stadtgebietes und der Umgebung führen bis in die Altsteinzeit (Paläolithikum) vor mehr als 2 Millionen Jahren bis 8.000 v. u. Z. So wurden in den Kieswerken, die seit 1927 Kies zum Bau des Mittellandkanals oder der Autobahn fördern, Faustkeile, Schaber und andere Werkzeuge zu Tage gefördert. Aber auch Knochen und Stoßzähne vom Mammut sowie Knochen vom Wollnashorn und Riesenhirsch konnten geborgen werden. Ihr Alter wird auf rund 250.000 Jahre geschätzt.

Als in der Jungsteinzeit damit begonnen wurde Getreide anzubauen sowie Schweine, Schafe, Ziegen, Kühe usw. als Haustiere zu halten und auch zu züchten, begannen die Menschen sesshaft zu werden. Aus ihren bevorzugten Rastplätzen entstanden die ersten Dörfer mit festen Behausungen und die früher umherziehenden Sippen schlossen sich zu Stämmen zusammen. Um die Feldarbeit rentabel zu machen mussten neue Werkzeuge entwickelt werden. So wurden zum Roden der Wälder Steinbeile und für den Pflanzenanbau Hacken und Pflanzstöcke hergestellt.

Da jetzt eine Vorratshaltung möglich war wurden Behälter aus Flechtwerk, Holz oder Ton hergestellt. Dabei wurde der Ton vor dem Brennen mit Linienbändern (Linienbandkeramik) oder Stichreihen (Stichbandkeramik) verziert. Weitere bekannte Kulturen sind die Trichterbecherkultur (Trichterförmigen Gefäße), nach ihrem ältesten Fundort Baalberge werden sie auch die Baalberger Gruppe genannt oder die nach ihrem Fundort benannte Walternienburger Gruppe. Auch sie verzierten ihre Tongefäße. Aber das charakteristische an dieser Gruppe ist die Art der Bestattung ihrer Toten. Sie bestatteten sie in Steinkammern, die mit einem Erdhügel abgedeckt wurden. Der Große und der Kleine Silberberg in Magdeburg waren solche Grabhügel.

Um 2.000 v. u. Z. kommen die Schnurkeramiker in den Magdeburger Raum. Sie verzierten ihre Gefäße mit gedrehten Schnüren, die sie in den weichen Ton drücken. Auch sie bestatten ihre Toten in Grabhügeln.

Megalithgräber (Hünengräber)

Die Großsteingräber wurden etwa im 3. Jahrtausend v. u. Z. in der Jungsteinzeit angelegt. Sie dienten zur Bestattung von hochgestellten Stammesangehörigen als Einzelgräber oder auch als Grabstätte für ganze Sippen.

Die Wände der Grabkammern wurden aus großen, senkrecht stehenden Findlingen errichtet, deren glatte Seite nach innen zum Begräbnisraum zeigte. Die Zwischenräume der angrenzenden Findlinge wurde mit kleinen Steinen aufgefüllt. Mit großen Decksteinen wurde der obere Abschluss hergestellt. Nach Fertigstellung des Steingrabes wurde der gesamte Grabplatz mit Erde bedeckt.

Im Stadtgebiet existierten mehrere solcher Großsteingräber. So veröffentlichte der Gymnasialdirektor Samuel Walter 1725 einen Hinweis auf solch eine Grabstätte in Westerhüsen. Daran erinnert nur noch der Straßenname "Am Hünenkeller". 1836/37 wurde von einem Pastor Leopold aus Ebendorf ein Großgrab bei Olvenstedt ausgegraben. Die Funde, 14 Gefäße der Bernburger Kultur aus der Jungsteinzeit, befinden sich in Museen in Salzwedel und Berlin. 1970 wurde auf dem Kroatenhügel in Sudenburg bei Bauarbeiten ein Großgrab entdeckt. Durch Unwissenheit der Beteiligten wurde die Grabanlage zerstört, so das keine Funde festgestellt werden konnten. Weitere Megalithgräber befinden (befanden) sich am Kleinen Silberberg, am Großen Silberberg und am Pfahlberg in Magdeburg-Nord.

Fundstellen von Knochen, Steinzeitwerkzeugen und Gegenständen im Magdeburger Raum

Ältere Altsteinzeit (600.000 - 50.000 v. u. Z.)

- Rothensee - Faustkeil, Feuersteinabschläge und -klingen

- Barleben - Faustkeile und Klingen

- Hundisburg - bearbeitete Knochen von Mammut und Langhaarnashorn, Hundisburger Faustkeil

- Magdeburg-Rothensee - Im Kieswerk, ein rund 130.000 Jahre alter Mammutstoßzahn mit einer Länge von 2,40 Meter


Jüngere Altsteinzeit (50.000 - 10.000 v. u. Z.)

- Glindenberg - 22 Harpunen und eine Hacke aus Hirschgeweih

- Westeregeln - Geräte aus Feuerstein, Feuersteinklingen


Mittelsteinzeit (10.000 - 4.500 v. u. Z.)

- Barleben - Siedlungsreste der Linien- und Stichbandkeramiker, Skelettreste, Keramik, Grabstellen mit einem Erwachsenen und drei Kindern, Reliefplastik aus Knochen, Knochenspatel mit menschlicher Gestalt, Gruben der Linienbandkeramik

- Randau - Siedlungsspuren


Jungsteinzeit (4.500 - 1.700 v. u. Z.)

- Domplatz Magdeburg - Grabstelle aus der Kugelamphoren-Kultur (etwa 2.000 v. u. Z.) mit einem kleinen Meißel aus Feuerstein.

- Prester - Flachhacken, Schuhleistenkeile, Knochen zum Verzieren von Gefäßen

- Salbke - Durchbohrte Keile,

- Barleben - Gefäße der Bernburger Gruppe aus einer Grabstelle

- Menz - Grab aus der Kugelamphoren-Kultur (etwa 2.000 v. u. Z.) 


Bronzezeit (1.700 - 700 v.Chr.)

- Barleben - Siedlungsspuren und Gräber der Bronzezeit

- Randau - Funde einer slawischen Siedlung mit einem Burgwall


Eisenzeit (700 v.Chr. - 800 u.Z.)

- Cracau - Grubenhaus aus dem 2.Jahrhundert mit Hundeskelett, Knochenfunde, Reste einer Bronzeschnalle und zwei bearbeitete Knochenstücke

- Gommern - 1990 wurde in Gommern das reichste Fürstengrab eines Germanen aus der Zeit um 300 entdeckt

- Randau - Gräberfeld mit 289 Brandgräbern (Urnengräber) und 9 Körpergräbern aus der Jastorf-Kultur, Vogelkopffibel

- Magdeburg - Amulettkapsel aus dem 6. bis 7. Jahrhundert in Fermersleben

- Domplatz Magdeburg - Fundamentspuren alter Grubenhäuser

von Ortsnamen und ihrer Bedeutung

Über die frühe Besiedlung des Magdeburger Raumes gibt es nur wenige Hinweise. Das westliche Gebiet der Elbe war von Germanen besiedelt. Hinweise darauf finden sich in vielen Ortsnamen.

Orte deren Namen auf -leben endet, könnten in der Zeit der Völkerwanderung bis zum 10.Jahrhundert entstanden sein. Der Ursprung der Endung entspricht dem gotischen laiba oder dem altsächsischen leba und bedeutet Hinterlassenschaft, Erbgut. In Verbindung mit einem männlichen Personennamen weist es auf einen Grundstücksbesitzer hin. (Barleben, Haldensleben usw.)

Ortsnamen mit der Endung -dorf sind dagegen in der Regel jünger. Sie weisen auf das Germanische thorp hin und bedeuten Pferch, Vorwerk oder Einzelhof. Auch dort verweist ein Personenname auf die Besitzer. (Diesdorf, Lemsdorf usw.)

Ortsnamen mit der Endung -au oder -itz weisen auf slawischen Ursprung hin. (Pechau, Biederitz)

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