Magdeburg im Krieg:

der 16.Januar 1945

und die verheerenden Bombenangriffe auf die Stadt Magdeburg


Trauerfeier für die Opfer des Bombenangriffs vom 28.Mai1944 (aus:Magdeburgische Zeitung v. 1.Juni1944) - Seh ich das Bild von Machdeborch, - Todesanzeigen in einer Magdeburger Zeitung vom 12/13.August 1944
denn zittern mich die Beene,
Denn jeht mich das so durch un durch,
denn denk ich an Machdeborch,
an Machdeborch - un weene.

unbekannter Magdeburger 

(aus: Magdeburg in Alten Postkarten; Joachim Schütte)


Magdeburg wurde in seiner mehr als 1200jährigen Geschichte zweimal fast vollständig zerstört. Das erstemal am 10.Mai 1631 durch die Truppen Tillys im Dreißigjährigen Krieg und drei Jahrhunderte später durch den von Deutschland entfesselten Zweiten Weltkrieg, als englische und amerikanische Bomber deutsche Großstädte in Schutt und Asche bombten. Aber immer haben die Einwohner der Stadt sie wieder aufgebaut. 

Der Bombenangriff am 16.Januar 1945
- - - -
Das Haus Schwertfegerstraße 8 vor der Zerstörung. Im Auto die Eheleute Johanna u. Albert Vogtländer, die Besitzer des Hauses (Bild von Marianne Friedrich, Leverkusen)

Beginn des Angriffs:

21:28 Uhr 

Die Ruinen der Schwertfegerstraße 8 (Bild von Marianne Friedrich, Leverkusen)

Dauer des Angriffs:

etwa 39 Min.

Ende des Angriffs:

22:07 Uhr

Beteiligte Bomber:

371

320 Halifax

44 Lancaster

7 Mosquitos

Das Haus Schwertfegerstraße 8 nach dem 16.Januar 1945 (Bild von Marianne Friedrich, Leverkusen)
abgeworfene Bomben:

25.638 Stabbrandbomben

je 1,7 kg

5.024 Phosphorbomben

13,7 kg bis 113 kg

421 Minenbomben

je 900 kg

251 Sprengbomben

600 bis 1500 kg

163 Luftminen


Die "Trauernde Magdeburg" in der zerstörten Johanniskirche -

Arthur Harrys, Oberkommandierender des Britischen Bomber Command, hatte am 01.November 1944 in einem Brief an an den Chef des britischen Luftstabes,  Sir Charles Portal , Magdeburg neben Dresden und Leipzig auf die Liste der noch unbedingt zu zerstörenden Städte gesetzt. Und dabei stand Magdeburg sehr weit oben.

Die Angriffsvorbereitungen zur Zerstörung der Stadt liefen unter dem

- Klosterkirche Unser Lieben Frauen nach dem 16.Januar 1945
 Decknamen "Grilse" =  junger Lachs
-
Vom Breiten Weg über die Ruinen auf den Dom geblickt    Demnach sollten die Bomber mehrere, kurze massierte Angriffe gegen die Stadt fliegen. Dabei sollten zunächst die Produktionsanlagen der Treibstoffindustrie (BRABAG), die Hafenanlagen sowie Rüstungsbetriebe zerstört werden. Im Anschluss sollte ein konzentrierter Angriff zweier Luftflotten die dichtbesiedelte Altstadt in Schutt und Asche legen. Liste mit den Toten des Bombenangriffs vom 5.August 1944 (aus Magdeburgische Zeitung vom 09.August 1944)
   Nachdem der Vormittagsangriff der 8.US-Luftflotte noch dem Krupp-Gruson-Werk und der BRABAG gegolten hat, fliegen in den Abendstunden Bomber der RAF aus verschiedenen Richtungen kommend Magdeburg an. Kurz vor dem Beginn des Angriffs (21:23 Uhr) werfen "Pfadfinder" Stanniolstreifen ab. Damit wird das Radar der um Magdeburg stationierten  Flugabwehr unbrauchbar gemacht. Die nachfolgenden Bomber sind nicht mehr auszumachen. Um 21:28 Uhr werfen der Masterbomber und vier weitere Flugzeuge, um das Angriffsziel abzustecken, Sichtmarkierungen ab, die "Beleuchter" können ihre Magnesiumbomben (Weihnachtsbäume) absetzen. Erst jetzt wird der Bombenalarm ausgelöst. Nachdem das Angriffsareal Taghell erleuchtet ist beginnt der Bombenangriff. 
Von den zerstörten Häusern an der Domstrasse geht der Blick auf den schwer getroffenen Dom.    Die erste Bomberwelle begann mit dem Abwurf schwerer Luftminen im Bereich des Nordabschnitts des Breiten Weges. Diese deckten durch ihre Druckwellen die Dächer ab, brachten Mauern zum Einsturz und bereiteten den nachfolgenden Stabbrandbomben und Brandkanister den Weg ins Innere der Häuser. Diese setzten durch ihr Phosphor alles in Brand, so das sich das Inferno immer weiter ausbreiten konnte. 
   Die zweite Welle flog Magdeburg gegen 21:39 Uhr an  und beginnt in die schon zerstörten Häuser Sprengbomben und Luftminen abzuwerfen. Diese lassen die Häuser zerbersten, zerstören die Wasserleitungen und verhindern so, das Rettungskräfte die Großbrände bekämpfen können. Die nachfolgenden Brandbomben verwandeln die Innenstadt in ein einzige Flammenmeer. Den Menschen wird der Sauerstoff entzogen, so das sie qualvoll ersticken oder in der enormen Hitze verglühen.  In Brand geratene Kohlenvorräte setzen Kohlenmonoxid frei, dieses entzieht den Menschen noch zusätzlich den Sauerstoff und lässt sie wie eingeschlafen erscheinen.  Hotel-Ruinen vor dem  Hauptbahnhof

(unvollständige) Aufstellung der Bombenangriffe auf Magdeburg
      Tag /     Flugzeuge /    
  Jahr Tag Nacht Tote Verletzte Nation Bomben  
die Reste der Jakobstrasse 1940 22.August N 3 7 10-RAF   Blick vom Kaiser-Friedrich-Museum auf den Dom.
  16.Dezember N 9 24 etwa 25-RAF  
1941 18.April N 12 37 RAF  
  13.August N 7 23 RAF  
1943 29.Dezember N - - ?  
  1944 11.Januar T - - USAF    
Blick vom Breiten Weg auf den  zerstörten Alten Markt   14.Januar N - - ?   Die Luftbildaufnahme zeigt die Zerstörungen im Bereich Hasselbachplatz/Stadtpark mit den resten der Hubbrücke (unten) und der Sternbrücke (oben)
  21.Januar N 120 400 648-RAF 2024 t
  22.Februar T 41 194 16-USAF  
  28.Mai T 24 72 55-zUSAF  
  20.Juni T 48 148 USAF  
Was von der Wallonerkirche übrigblieb   29.Juni T 92 291 USAF   Das zerstörte Rathaus von der Johanniskirche aus gesehen
  05.August T 683 881 150-USAF  
  16.August T 91 66 USAF  
  11.September T 120 212 75-USAF  
  12.September T 136 143 60-USAF  
Die Rückseite des zerstörten Zentraltheater   28.September T 261 492 381-USAF 863 t Die zerstörte Seite des Zentraltheaters von der (heutigen) Erzbergerstrasse aus gesehen.
  07.Oktober T 50 112 USAF  
1945 14.Januar T - - 340-USAF  
  16.Januar T 40 - 371-RAF 1110 t
  16.Januar N 2500 11.221 500-USAF 1060 t
  17.Januar N - - 14-RAF  
Der Aufbau der Stadt hat begonnen, die Trümmer sind größtenteils geräumt, kaum ein Gebäude hat der Krieg verschont.   02.Februar N - 6 USAF   - ohne Worte -
  03.Februar T 23 11 400-USAF 800 t
  06.Februar T 167 216 USAF  
  09.Februar T 42 52 USAF  
Verhaltensregeln bei Fliegeralarm (aus:Magdeburgische Zeitung vom 29.März 1944)   13.Februar N 4   RAF   Anordnung über eine Sonderzuteilung für Bombengeschädigte in der Magdeburgischen Zeitung vom 07.August1944
  14.Februar T 15 45 340-USAF 811 t
  14.Februar T 62 89 USAF  
  15.Februar T 76 11 384-USAF 900 t
  02.März T 73 24 USAF  
  03.März T     ?  
  13.März T 63      
Blick auf die Marienkirche durch Trümmerhaufen hinweg.   14.März N         Inmitten einer Trümmerlandschaft steht das nach dem Krieg gesprengte Stadttheater
  02.April N        
  03.April N 62   USAF  
  04.April N        
  17.April T 150 650 360-USAF 77 t

gesamt:   38 Angriffe 23/Tag 4.974 15.427   7568 t RAF =Royal Air Force
      15/Nacht Tote Verletzte    

USAF =8.US Air Force

    Die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten wird wohl nie endgültig geklärt werden können.  
     

Aufstellung der zerstörten Gebäude in Magdeburg nach den Bombenangriffen
Johanneskirche Durchhalteparolen vom Gauleiter Jordan in der Magdeburgischen Zeitung vom 07.August 1944 zerstörte Häuser auf dem Breiten Weg - einstmals schönste Barockstrasse Deutschlands

zerstört wurden:

die Ludolfstrasse von der Königsstrasse ausgesehen. Nach dem Wiederaufbau der Stadt existiert die Ludolfstrasse nicht mehr von 106.733 Wohnungen  Edeka-Laden in der Arndtstraße
40.667 Wohnungen total (38%)
31.744 Wohnungen schwer (30%)
1524 Ladengeschäfte

1119

Großhandelsbetriebe u. Büros
1026 Handwerksbetriebe
  224 Gaststätten  
Das Centralhotel war das größte Hotel der Stadt. 196 Öffentliche Gebäude das beliebte Schlosscafe
130 Fabriken
37 Festsäle, Versammlungsräume
34 Krankenhäuser und Kliniken
34 Warenhäuser
32 Landwirtschaftliche Betriebe
23 Schulen
21 Kinos
15 Kirchen
15 Hotels 
( das Hotel Grüner Baum war das einzige erhaltene Hotel in der Innenstadt)
 

14

Krankenhäuser und Kliniken  
Hotel Fürst Bismarck an der Victoriastrasse 3 Theater Haus Post- Ecke Kreuzgangstrasse,  das einzige Haus das den 30-jährigen Krieg überstanden hatte wurde ebenfalls zerstört.
3 Museen
Warenhaus der Gebr. Barasch

Blick auf die zerstörte Stadt - Zu Beginn des zweiten Weltkrieges hatte Magdeburg 330.000 Einwohner. Im April 1945 wurden nur noch 90.000 gezählt. 60% der Stadt waren zerstört. Auf jeden Einwohner kamen 20 qm Trümmer, insgesamt stand Magdeburg mit 6 Millionen qm Trümmern hinter Dresden und Köln an dritter Stelle der am schwersten zerstörten Städte Deutschlands. Von 3.825 Krankenhausbetten waren nur noch 398 vorhanden.  - Die Stadt als Trümmerfeld. Im Vordergrund die Sparkasse in der Münzstrasse.

 Eine Schätzung ergab, das der Krieg Schäden in Höhe von 1,9 Milliarden Reichsmark hinterlassen hat.



letzte Aktualisierung dieser Seite  10.10.2009 11:56    

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